Wir dürfen Menschen, die in die Bedürftigkeit geraten sind, nicht vergessen

Veröffentlicht am 18.11.2011 in Aktuell

Grußwort des Schirmherrn Hendrik Hering anlässlich der Benefizveranstaltung des SPD Ortsvereins Herschbach zugunsten der Ausgabestelle Herschbach der Westerwälder Tafel:

Über die Anfrage des SPD Ortsvereins Herschbach, gemeinsam mit Herrn Schott von der Hammermühle die Schirmherrschaft über die 3. Benefizveranstaltung zugunsten der Herschbacher Tafel zu übernehmen, habe ich mich sehr gefreut und bin gern der Bitte nachgekommen.
Bevor ich ein paar grundsätzliche Gedanken äußere, gestatten Sie mir, dem SPD Ortsverein Herschbach, den fleißigen Helferinnen und Helfer und dem DUO Christen die den Abend musikalisch begleiten werden, meinen Dank und meine Anerkennung für die hervorragende Idee der Benefizveranstaltung auszusprechen.
Danken, sehr verehrte Damen und Herren, möchte ich aber auch Ihnen, dass Sie mit Ihrem Kommen und der Bereitschaft für ein schmackhaftes Mahl einen angemessenen finanziellen Beitrag zu leisten, auf diese kulinarisch angenehme Weise Ihre Unterstützung für die Herschbacher Tafel zum Ausdruck bringen.

Wenn in unserer Heimat eine Veranstaltung zwei Mal stattfindet, spricht man schon von einer Tradition. Da die heutige Veranstaltung schon zum dritten Mal stattfindet, können wir bereits von einer langen Tradition sprechen. Angefangen hat alles als die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, AsF, anlässlich des 90jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts 2008 nach Mündersbach zu Rehpfeffer, Rotkohl und Salzkartoffeln geladen hatte um ihre wirklich lesenswerte Broschüre mit Westerwälder Frauenbiografien vorzustellen und den Erlös der Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft der Bundestagsabgeordneten Sabine Bätzing stand, der Tafelbewegung in Herschbach zu spenden.
Diesen Ansatz griff die SPD in Herschbach auf und hat daraufhin beschlossen, ihr soziales Engagement auszubauen und die Unterstützung fortzusetzen. Auf einem Neujahrsempfang wurde diese langfristige Unterstützung mit dem Leiter des Diakonischen Werks, Wilfried Kehr besprochen und bekanntgegeben.
Auch wenn sie lieber im Hintergrund bleibt, möchte ich an dieser Stelle der Initiatorin und treibenden Kraft hinter den Benefizveranstaltungen der AsF und der SPD Herschbach, Frau Ilse Bracher, für diese Idee und Ihren Einsatz herzlich danken.

Wir sind uns sicher einig in der Feststellung, dass uns allen lieber wäre, Einrichtungen wie die Tafeln müsste es in Deutschland nicht geben. Daher ist es für mich schwer, von Erfolgen der Tafelbewegung zu sprechen. Auch in unserer Heimat, dem Westerwald sind wir zunehmend in einer fast perversen Situation. Zum einen suchen Menschen häufiger die Ausgabestellen der Tafel, zum anderen signalisiert dieser Erfolg, dass es, auch in einer Zeit, da wir in unserer Heimat Arbeitslosenzahlen haben, die nahe an der Vollbeschäftigung sind, in unserem Kreis immer mehr bedürftige Menschen gibt.

Die Tafel sollte meines Erachtens daher eher keine Erfolgsgeschichte schreiben, sondern vielmehr hilfsbedürftigen Menschen neue Perspektiven aufzeichnen. Das Konzept besteht nicht nur darin, dass bedürftige Menschen Lebensmittel in den einzelnen Ausgabestellen abholen, sondern es werden ihnen vielfältige Beratungsmöglichkeiten, etwa Schuldnerberatung, Suchtberatung, Ernährungsberatung angeboten. Darüber hinaus darf man nicht außer Acht lassen, dass für die Kunden der Tafeln auch die sozialen Kontakte äußerst wichtig sind. Freude kommt bei mir daher im Bezug auf die Tafeln nur auf, wenn ich erlebe, wie viele Menschen sich ehrenamtlich als aktive und passive Unterstützer der Tafel zur Verfügung stellen.
Anfangs wollten allein in Herschbach 45 Menschen mitmachen, und das, obwohl die Ausgabestelle noch überhaupt nicht eröffnet war. Die ehrenamtliche Tätigkeit beginnt ja nicht mit der erstmaligen Essensausgabe, sondern fängt schon viel früher an. Kreisweit sind mehr als 200 Bürger ehrenamtlich für die Tafel aktiv.

Durch diese ehrenamtlichen Helfer erfahren die bedürftigen Menschen wieder, dass sie anderen wichtig sind und nicht alleingelassen werden. Ich komme an diesem Abend nicht umhin, und ich denke es wird von Ihnen auch keiner anders erwarten, dass ich als Sozialdemokrat unsere Positionen nicht verschweige.
Alle Menschen in unserer Heimat sollten am technischen Fortschritt und damit am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Kernziel unserer Politik ist es daher die Chancen für den Erfolg auch gerecht zu verteilen. Talente sollten daher schon im Kindergarten und Schulen gefördert werden und zwar unabhängig von der Herkunft. Nur wenn die Gesellschaft als Ganzes zusammenhalte, könne der derzeitige Wirtschaftsaufschwung, der durch die Eurokrise und die üblen Spekulationen der sogenannten „Märkte“ in Gefahr gerät, auch langfristig gesichert werden. Wir dürfen dabei aber die Menschen, die in die Bedürftigkeit geraten sind, nicht vergessen und nicht alleinlassen.
Daher halte ich die letzten Beschlüsse die die Regierungsparteien in Berlin und in Leipzig gefasst haben für eine Perversion des Gerechtigkeitsgedankens. Wir müssen miterleben, dass es Beschlüsse gibt zu:

-Steuersenkungen, die die untere Einkommensschicht nicht entlasten, da sie meist schon gar keine Lohnsteuern mehr zahlen und für die mittleren Einkommen gerade einmal 2,50 Euro im Monat, also nicht mehr als eine Tasse Kaffee, bringen, wobei aber das Schuldenloch im Bundeshaushalt um 6 Milliarden Euro vergrößert wird.

- einer Herdprämie von 100, aufwachsend auf 150 Euro im Monat für Familien, die ihre Kinder nicht in die Betreuungseinrichtungen geben. Man stelle sich das mal vor, wir geben viel Geld sinnvoll aus um gute Betreuung zu ermöglichen und prämieren gleichzeitig die Familien, die ihre Kinder von unseren Einrichtungen fernhalten. Ich fürchte, dass diese Prämie gerade die Familien, deren Kinder die Betreuung in unseren Einrichtungen dringen für ihre Entwicklung benötigen, animieren wird, ihren Nachwuchs aus den Kitas herauszunehmen.

- der berühmten Lohnuntergrenze der Union, die es weiterhin ermöglicht, dass Arbeitgeber mit den sogenannten „christlichen“ Nicht-DGB-gebundenen Pseudogewerkschaften Tarifverträge abschließen können, die zum Teil noch deutlich unter der Sittenwidrigkeitsgrenze von 4.50 Euro die Stunde liegen und den dort beschäftigten Arbeitnehmern keine Chance auf einen menschenwürdigen Lohn bescheren wird.

Wenn die Politik der Bundesregierung weiter in diese Richtung marschiert, fürchte ich, dass wir noch viele Jahre die Tafel und solche Benefizveranstaltungen benötigen werden.

Umso mehr freut es mich, dass Sie mit Ihrer Teilnahme hier in Freirachdorf die Tafel in Herschbach und damit Menschen in unserer Region die durch Schicksalsschläge und familiäre Lebensumstände nicht einmal Ihre Grundbedürfnisse, wie Nahrung oder Kleidung, decken können, unterstützen. Was kann schöner sein, als Menschen die ungewollt in Not sind, zu helfen? In den vergangenen Jahren haben diese Veranstaltungen fast 2.500 Euro erlöst, die die Tafel gut gebrauchen konnte.

Ich bin mir sicher, dass wir heute gemeinsam einen angenehmen Abend als Gäste der Herschbacher SPD verbringen werden und hoffe, dass wir uns auch im Jahr 2012, ganz der Tradition folgend zur 4. Benefizveranstaltung wiedersehen.

 
 

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